Inhalt + Einführung
Das nachhaltige BIP?
Die Krisenursachen
Wachstumsgrenzen
Die nächste Krise?
Nachhaltige Ökonomie
Arbeit für alle?
Der Weg zum Ziel
Gemeinsame Rettung
Impressum/Hrsg.

 INFOs im Zusammenhang: www.info-sd.de - Nicht gewerblich - unabhängig - überparteilich - siehe auch www.finanzkrisendaten.de

Nachhaltige Ökonomie

(VO 5)  

Zuvor wurden einige Grundlagen zum Erkennen notwendiger Handlungen zum Umbau zu einer nachhaltigen Ökonomie aufgezeigt. Das Wort Nachhaltigkeit entstammt der deutschen Forstwirtschaft mit dem Bewirtschaftungsprinzip, dass nicht mehr Holz geerntet wird, als jeweils nachwachsen kann. Diese Nachhaltigkeit bedeutet auch, dass die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation so befriedigt werden, dass die Lebenschancen künftiger Generationen nicht gefährdet werden, als Einheit einer richtigen ökonomischen, sozialen und ökologischen Entwicklung. 

Praktische Möglichkeiten grundlegender Reformen sollen - unter Einbeziehung politischer und fachlicher Handlungen - bis zum Schluss, über den Weg zum Ziel: Zur gemeinsamen Rettung - erarbeitet werden. Allerdings wird dies, schon wegen der schwierigen Schuldenverminderung, sehr schwer werden.

Siehe auch: www.ökologisches-handeln.de - www.soziales-deutschland.euwww.ethische-ökonomie.de - www.finanzkrisendaten.de

 Und noch etwas: Firmen, die in Not geraten, sollten sich an das zuständige Landes-Wirtschaftministerium, die Handwerks- oder Handelskammer und www.kfw.de sowie www.bmw.de wenden. Sie sollten dort um Rat und mögliche Hilfe nachsuchen.

 

Inhalt

Vorweg - Überleben durch nachhaltige Ökonomie (VO 5.1) -Reform der traditionellen Ökonomie? (VO 5.2) - Nachhaltige Investitionen, statt z. B. Elbvertiefung (VO 5.3) - Wir müssen alle wieder das Rechnen lernen (VO 5.4) - Wie kommen wir zur nachhaltigen Ökonomie? (VO 5.5) - Der Klimawandel als kultureller Umbruch (VO 5.6) - Ein BIP-Umbau zur nachhaltigen Ökonomie (VO 5.7) - Verminderte Nachfrage für teilweise nicht Nachhaltiges (VO 5.8) - Mehr Arbeit durch Nachhaltigkeit (VO 5.9) - Investitionen, die wir statt Keynes brauchen (VO 5.10) - Eine nachhaltige Ökonomie ist schwer umzusetzen (VO 5.11)  

 

Die Wirtschaft wird schrumpfen, und die Natur wird wachsen. Das ist die gute Nachricht der Weltrezession.

(Wolfgang Uchatius in DIE ZEIT 20. 5. 09)  

Vorweg: Die Wirtschafts- und Schuldenkrisen haben in vielen Bereichen (siehe "Die Krisenursachen" 1 - 5 und Wachstumsgrenzen) ihren Ursprung: Die Quelle nachhaltigen Wohlstandes ist nicht die Arbeit allein, sondern eine Arbeit mit nachhaltiger Wertschöpfung. Nur diese Arbeit dürfte vom Staat gefördert werden. Doch welche Arbeit ist dies? Und wie kommen wir überhaupt zu einer nachhaltigen Ökonomie? Dies herauszufinden ist nicht leicht, weil der Überblick in der heute spezialisierten Welt selbst vielen Fachleuten, nicht nur bei den Banken, verloren geht.  In diesem Portal werden, unter kritischer Einbeziehung der Aussagen vieler Fachleute, praktische Lösungen erarbeitet. 

 

Überleben durch nachhaltige Ökonomie (VO 5.1)

Im Portal www.ökologisches-handeln.de wird eindringlich auf einen Umbau der Volkswirtschaft zu einer nachhaltigen Ökonomie hingewiesen. Daraus wird hier (aus: Die Ökologiekrise) nachfolgend kurz etwas zitiert:

Prof. Dr. Harald Welzer schrieb in seinem neuen Buch "Klimakriege" unter anderem:  

"Kann eine Kultur langfristig erfolgreich sein, die auf der Aufzehrung von Ressourcen gründet? Kann sie überleben, wenn sie den systematischen Ausschluss von Folgegenerationen in Kauf nimmt? Kann eine solche Kultur modellbildend für jene sein, die sie für ihren eigenen Fortbestand gewinnen muss?" (Prof. H. Welzer in WamS Nr. 28/08).

Weil wir nur einen Planeten zum Leben haben, gilt es, dieses Leben zu erhalten. Dazu haben WWF und BioRegional die glabale Initiative "One Planet Living" gegründet. 

One Planet Living hat 10 Kriterien zum Thema "nachhaltige Ökonomie" erarbeitet:

  1. Null CO2: Verwirklichung eines CO2-neutralen Lebensstils (hier in den One-Planet-Living-Siedlungen).
  2. Null Abfall: Eliminierung des Mülltransports zu Deponien und Verbrennungsanlagen.
  3. Nachhaltiger Transport: Reduzierte Nutzung von Privatwagen und deutliche Verringerung der CO2 Emissionen im Straßenverkehr.
  4. Regionale und nachhaltige Materialien: Umstellung der Materialversorgung zur Förderung von Umwelt, regionaler Wirtschaft und Gesundheit.
  5. Regionale und nachhaltige Lebensmittel: Umstellung der Lebensmittelversorgung zur Förderung von Umwelt, regionaler Wirtschaft und Gesundheit.
  6. Nachhaltige Wasserversorgung: Förderung lokaler Wasservorräte und -versorgungswege.
  7. Natürlicher Lebensraum und Artenvielfalt: Regenerierung zerstörter Lebensräume und Aufrechterhaltung der Biodiversität.
  8. Kultur und historisches Erbe: Schutz und Pflege des lokalen Kulturerbes und seiner Vielfalt.
  9. Gerechtigkeit und fairer Handel: Sicherstellung des positiven Einflusses der "One Planet Living" Gemeinschaft auf andere Gemeinschaften.
  10. Gesundheit und Zufriedenheit: Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität der Gemeinschaftsmitglieder und anderer Menschen.

Leider nähern wir uns diesen Zielen nicht, sondern enfernen uns davon: Der am 29. 10. 08 in Berlin vorgestellte "Living Planet Report 2008" zeigte gegenüber der Studie 2006 drastische Verschlechterungen auf: WWF-Naturschutzdirektor Christoph Heinrich warnte: "Wir übersteigen mit unserem Konsum die vorhandenhen Möglichkeiten um ein Drittel." 

Wenn der Verbrauch so weitergehe, würden bereits 2035 zwei Planeten benötigt, um unseren Bedarf an Nahrung, Energie und Fläche zu decken. Der Report 2006 hatte noch eine Frist bis 2050 errechnet. WWF fordert weltweite Maßnehmepakete zur Nachhaltigkeit. Auch die Artenvielfalt schrumpft bedrohlich. "Die ökologische Krise wird uns um eine Vielfaches härter treffen als die aktuelle Finanzkrise und früher oder später das Wohlergehen und die Entwicklung aller Nationen gefährden", sagte Heinrich voraus. Verantwortlich dafür seien neben dem stark steigenden Reccourcenverbrauch die weltweite Entwaldung, der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und Überfischung (dpa in HA 29. 10 08).

Im Internet unter: www.oneplanetliving.org  und www.bioregional.com .

 

Reform der traditionellen Ökonomie? (VO 5.2)

Zur Umsetzung fordert Prof. Holger Rogall dazu: "Die neue Umweltökonomie fordert...eine grundlegende Reform der traditionellen Ökonomie." Mit der Theorie und deren Umsetzung beschäftigt sich u. a. das vom BMU geförderte NETZWERK NACHHALTIGE ÖKONOMIE (www.nachhaltige-oekonomie.de ). Dort finden sich auch Prof. Rogalls Schriften und Lehrbücher. Und von dort kommen auch die 10 Kernaussagen zur Nachhaltigen Ökonomie. Sie sollen nachfolgend kurz genannt und bezüglich Verwirklichung z. T. mit Hinweisen versehen werden. Die Kernaussagen werden durch die Verfasser jeweils hinter den Aussagen und am Schluss erläutert. Hier werden diese Erläuterungen, falls notwendig erachtet, kurz in ( ) zusammengefasst erwähnt:

10 Kernaussagen (Stand 6. 12. 09) zur Nachhaltigen Ökonomie 

  1. Starke Nachhaltigkeit. (Absolute Grenzen der Natur werden anerkannt).
  2. Pluralstischer Ansatz, Abgrenzung bei Aufnahme einzelner Aspekte der neoklassischen Umweltökonomie. (Die Übernutzung natürlicher Rohstoffe mit daraus abgeleiteter Diskussion um die Notwendigkeit politisch-rechtlicher Instrumente.)
  3. Weiterentwicklung der Traditionellen Ökonomie und Ökologischen Ökonomie zur nachhaltigen Ökonomie. (Reform der traditionellen Lehrinhalte. Gefordert werden u. a. eine gerechte Weltgesellschaft. Im Bereich Umweltpolitik sollen die Konsumentensouveränität, der Zinseinsatz künftiger Kosten und Erträge von Umweltschutzmaßnahmen, Ersatz und Austauschbarkeit aller Rohstoffe immer berücksichtigt werden.)
  4. Kernaussagen und Kontroversen einer Nachhaltigen Ökonomie. (Zentral: Wie kann das traditionelle Wachstumsmuster, das exponentiell auf Dauer nicht möglich ist, durch ein Nachhaltigkeitsparadigma ersetzt werden. Die Meinungen zur mittelfristigen Ausgestaltung: Steady-State-Ansatz mit konstantem BIPn - und selektives Wachstum mit dabei Senkung des Rohstoffverbrauchs, das Letztere soll durch eine Strategie der Effizienzsteigerung mit nur ausreichender Versorgungsstrategie erreicht werden.) Siehe auch www.finanzkrisendaten.de Davos am 27. 1. 10.
  5. Eine Nachhaltige Entwicklung und Ökonomie beruht auf ethischen Prinzipien und damit auch auf der Forderung nach persönlicher Verantwortung und Handlung. (Verantwortung, Vorsorge und ethisches Verhalten in solidarischer Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Im Mittelpunkt steht ein nachhaltiger Konsum, der zu einer nachhaltigen Lebensweise und Produktion beitragen soll.) - Siehe auch www.ethische-ökonomie.de .
  6. Transdiziplinärer Ansatz. (Enge Zusammenarbeit der Sozial-, Geistes-, Natur-, Ingenieurswissenschaften.)
  7. Notwendigkeit der Änderung der Rahmenbedingungen mittels politisch-rechtlicher Instrumente.(Ein nachhaltiges Verhalten soll für Konsumenten und Produzenten dadurch vorteilhafter werden.)
  8. Notwendigkeit der Operationalisierung des Nachhaltigkeitsbegriffs, neue Messsysteme und Strategie/Handelungsfelder einer Nachhaltigen Ökonomie. (Eine Sinnentlehrung des Begriffs Nachhaltigkeit soll durch neue Messsysteme  und die Formulierung von Prinzipien, Managementregeln etc. erreicht werden. Anders als die traditionelle Ökonomie, die Lebensqualität und Wohlstand gemessen am BIP/Kopf gleichsetzt, werden andere Ziel- und Indikatorensysteme verlangt.
  9. Globale Verantwortung. (Globaler Ordnungsrahmen mit Regulation der Finanzmärkte incl. Finanztransfersteuer und Abgaben auf globale Umweltgüter. Senkung des pro Kopf Rohstoffverbrauchs der Industrieländer um 80-95 % bis 2050.)
  10. Nachhaltige (sozial-ökologische) Markt- oder Gemischtwirtschaft. (Eine reine Marktwirtschaft wird ebenso abgelehnt wie zentrale Verwaltungswirtschaften, sie sind überzeugt, dass nur marktwirtschaftliche Systeme mit einem nachhaltigen Orientierungsrahmen zukunftsfähig sind. Die Politik soll eingreifen, um eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen und Folgen von Marktversagen zu mindern. Ein nachhaltiger Umbau der Industriegesellschaft wird gefordert. Handlungsfelder wurden ausgewählt in denen dieser Prozess vorangetrieben werden könnte, wie Energie, Mobilitäts-, Landwirtschafts-, Rohstoffschonungs- und Produktgestaltungspolitik. Weitergehende Forderungen, die noch diskutiert werden müssen, betreffen institutionelle und eigentumsrechtliche Änderungen.

Anmerkung: Die praktische Umsetzung muss schnell erfolgen, weil staatliche Maßnahmen zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit und zur Bankenrettung oft nicht Nachhaltiges bewirkten. Die bisherigen Ansätze des BMWi und der meisten Finanzwissenschaftler haben noch die alte Ökonomielehre als Grundlage. Dies zeigte auch das 40. Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort warnte Nouriel Roubini: "China kann nicht der einzige Motor des globalen Wirtschaftswachstums sein." - (Warum nicht?) - In der 1. Jahreshälfte werden nach seinen Worten noch die Folgen der staatlichen Stimulierungshilfen zu spüren sein. "In der zweiten Jahreshälfte wird man einen Niedergang in den USA, Europa und Japan sehen. Zu den Plänen Obamas zur Bankenregulierung sagte er, sie "gehen endlich in die richtige Richtung. Sie reichen aber nicht aus. Ein Business as usual" dürfe es nicht geben. - Aus www.finanzkrisendaten.de am 27. 1. 2010.

Der Schuldenberg wuchs und wächst weiter. Dagegen steht nicht nur ein gleich bleibendes BIP, sondern ein Rückwärts-Wachstum gemäß "Wachstumsgrenzen" zuzüglich steigender Sozialkosten, auch deshalb, weil sich Arbeit in Deutschland wegen der hohen Sozialleistungen (siehe auch www.soziales-deutschland.eu ), für weite Bevölkerungskreise nicht lohnt. Hinzu kommt, dass sich oft die Bevölkerungskreise exponential vermehren, denen Nachhaltigkeit gleichgültig ist oder sogar aus Glaubensgründen sein muss (siehe auch Vergleich Christentum-Islam bei Wachstumsgrenzen).

Der Anhang 1 zu den 10 Kernaussagen bringt von 1998 "Ökonomische Managementregeln zur Nachhaltigen Ökonomie":

  • Ökologische Managementregeln: 1. Klimaschutz. 2. Naturverträglichkeit. 3/4. Nachhaltige Nutzung erneuerbarer und nicht erneuerbarer Ressourcen. 5. Gesunde Lebensbedingungen.
  • Ökonomische Managementregeln: 1. Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Folgen. 2. Gewährleistung der Grundbedürfnisse mit nachhaltigen Produkten. 3. Preise sollen angemessen sein. 4. Außenwirtschaftliches Gleichgewicht bei hoher Selbstversorgung. 5. Handlungsfähiger Staatshaushalt.
  • Sozial-kulturelle Managementregeln: 1. Partizipative Demokratie und gesellschaftliche Verträglichkeit. 2. Soziale Sicherheit, keine Armut. 3. Chancengleichheit und soziale Integration. 4. Globale Konflicktvermeidung. 5. Schutz der menschlichen Gesundheit und Lebensqualität. - Soweit Anhang 1.  - Anhang 2 ist mehr als diskussionswürdig. Dies soll an anderer Stelle erfolgen.

 

Nachhaltige Investitionen, statt z. B. Elbvertiefung (VO 5.3) 

Auf dem Wege Richtung nachhaltiges Leben bleibt noch viel zu tun. Das Abschlussdokument des World Future Concil (WFC), der Hamburger Hafen City-Universität (HCU) und einer internationolen Städtekommission, die am 16./17. 4. 09 im Hamburger Rathaus (CDU/GAL-Regierung) tagten, zeigte Wege zu einer nachhaltigen Ökonomie im Bereich Energieversorgung auf. 

Darin wurde auch darauf hingewiesen, dass die Städte, weil sie 80 % der fossilen Brennstoffe verbrauchten, die Verpflichtung und Möglichkeit hätten, dies in Richtung Null zu vermindern. Sie grüben sich ihr eigenes Grab, denn oft lägen sie in Küstennähe, wo sie unter Stürmen und Überschwemmungen besonders zu leiden hätten.

Die Städtekommission, zu der auch der berühmte und international tätige Hamburger Architekt Professor Meinhard von Gerkan gehört, appellierte deshalb an Länder- und Stadtregierungen, innerhalb eines Jahres eine Art Masterplan für eine 100-prozentige Versorgung von Städten aus "erneuerbaren" Energiequellen zu erstellen.

"Wir sind heute durchaus in der Lage, den von uns benötigten Strom selbst zu erzeugen", sagte von Gerkan. "Es ist keine Utopie, sich vorzustellen, dass eine Stadt eine Plus-Energie-Einrichtung sein kann, die so viel Energie über Sonne, Wind und Biomasse erzeugt, dass sie davon sogar etwas abgeben kann." Zudem sei es möglich, so Gerkan, über andere Städtebauweisen und veränderte Häuser-Typologien schon 50 % des heutigen Energieverbrauchs einzusparen (18./19. 4. 09 fru in HA).

Fast zur gleichen Zeit führte der damalige Hamburger Wirtschaftssenator A. Gedaschko Gespräche, um Widerstände gegen eine geplante Elbvertiefung auf bis zu 19,0 m Tiefe für Schiffe bis 14,5 m Wassertiefe auszuräumen. Er sagte (im Bild-Interview 27. 4. 09): "Reeder fragen uns, wann sie ihre großen Schiffe die Elbe hoch schicken können. Jede Verzögerung gefährdet das Vertrauen in die Zuverlässigkeit unseres Hafens."

Die Umweltverbände NABU, BUND, WWF, Rettet die Elbe und das Regionale Bündnis gegen die Elbvertiefung von Hamburg bis Cuxhaven sahen die Notwendigkeit nicht ein, protestierten am 18. 3. 09 und verwiesen zusätzlich auf viele Planungsmängel. Rund 7.200 Einwände wurden dem Projektbüro vorgelegt. So würde sich die Elbvertiefung nicht mit den Vorgaben des Naturschutz- und Wasserrechts, wie etwa der EU-Wasserrahmenrichtlinie, vertragen. Die Hochwasserprognosen seien verharmlosend falsch und der nach aktuellen Erkenntnissen zu erwartende Meeresspiegelanstieg sei gar nicht berücksichtigt. 

WWF ließ den angeblichen Arbeitsplatzeffekt vom Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) untersuchen. Lt. IÖW-Studie zähle für die Kosten-Nutzen-Rechnung weniger die Schiffsgröße mit der der Hafen angelaufen werden kann, weil die Haupttransportkosten mit 80 % im Hinterland entstünden. Für Hamburg auch ohne Elbvertiefung ein Vorteil. Zudem sei noch nicht sicher, ob sich die neuen großen XXL-Schiffe überhaupt durchsetzen und voll beladen Hamburg anlaufen würden.

Im Februar 2010 sagte der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hans-Ulrich Zabel von der Martin-Luther Uni Halle: DerAusbau der Elbe für die Schiffahr sei "ökonomisch und ökologisch absurd. Der Plan des Bundes ganzjährig 1,60 Meter Fahrrinnentiefe zu schaffen und so die Schiffahrt anzukurbeln, sei angesichts des Klimawandels mit zunehmendem Niedrigwasser illosorisch....Zabel fürchtet Milliardenschäden für die Volkswirtschaft, unter anderem durch die Naturzerstörung. Das Verkehrsministerium hatte Ende Januar 2010 angekündigt, die Elbe von 2011 an für Schiffe mit dreifach gestapelten Containern befahrbar zu machen (dpa/epd 4. 2. 2010 in HA).

Die Hafenkonkurrenz zwischen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshafen halten die Umweltverbände für wirtschaftlich unsinnig. Sie empfehlen eine intelligente Arbeitsteilung der Häfen, denn so ließen sich "auch ohne die 400 Millionen teure Elbvertiefung weitere Steigerungsraten des Containeraufkommens problemlos und deutlich preiswerter organisieren und zudem sogar ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit fördern," so die WWF-Elbeexpertin Beatrice Claus (Heike Soleinsky in ETD Nr. 12. 09).

Doch damit nicht genug: Die Vertiefung, der Klimawandel und die Flut bringen zusammen einen erheblich erhöhten Wasserdruck und -anstieg am Elbrand bis Hamburg. Alle Deich müssten erheblich erhöht werden. Die Seitenzuflüsse könnten bei Wasseranstieg nicht ablaufen, das "Alte Land", als eines der größten Obstanbaugebiete Deutschlands und größter Frisch-Obstlieferant für Hamburg und Bremen, würde kein oder weniger Obst liefern können, weil die Baumwurzeln durch die geänderten Bedingungen eingehen würden.

Am 12. 5. 09 wälzte sich deshalb eine scheinbar endlose Treckerkolonne zum Stadeum in Stade an der Elbe, wo die Anhörung zur Elbvertiefung begann. Rund 100 Obstbauern aus dem Alten Land, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Nordeuropas, protestierten zusätzlich zuvor gegen die aus ihrer Sicht falsche Elbvertiefung. Rund 7.000 Einwendungen gegen die Vertiefung auf 15 m lagen bereits vor. Die Obstbauern sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Dazu der Obstbauer Frank Stechmann: "Infolge der Vertiefung versalzt die Elbe mehr und mehr, dass das unsere Pflanzen nicht ertragen, dürfte jedem einleuchten" (dh 13. 5. in HA).

Die Gesamtkosten: Vertiefung rund 400 Mio. (nach Meldung v. 17. 2. 10 /at in HA/ hatten die Umweltverbände BUND und der "Förderkreis Rettet die Elbe" erneut 25 Mio. Mehrkosten ausgemacht). Am 8. 10. 2011 meldete Bild, dass die GAL 500 Millionen für die Elbvertiefung allein ausgemacht hätte. Hinzu kommen für evtl. Deiche rund 200 Mio., sodann Schadensersatz für das "Alte Land" rund 400 Mio. gleich zusammen rund 1.100 Millionen oder 1,1 Milliarden EURO. Bei nur 3 % Zinsen wären dies 31 Millionen im Jahr jährliche Kreditkosten. Wenn dann pro Jahr 15 neue Großcontainerschiffe ankämen, würde jedes Schiff mit über 2 Millionen EURO bezuschusst werden. Wären es wegen eines nachhaltigen Globalisierungsrückganges und der Abbestellung vieler Schiffe nur 5, dann würde jedes ankommende Schiff bei der Schiffsbegrüßungsanlage mit 6 Millionen Euro empfangen werden.

Für diese unglaublichen Geldmengen könnte Hamburg mit den am Anfang vom Hamburger Architekten Gerkan vorgeschlagenen Maßnahmen viele Arbeitsplätze in nachhaltigen Investitionen schaffen. Wegen der Finanzkrise, Schuldenbremse und des irgendwann notwendigen "Rückwärts-Wachstums (siehe Wachstumsgrenzen) sind zusätzliches Sparen und nachhaltiges Handeln angesagt.

Höhere Einnahmen für Liegegebühren gibt es kaum, denn schon jetzt werden z. T. Schiffe in Brunsbüttel bei Niedriggebühren entladen. Das Massengut wird dann mit Schuten direkt zum Verbraucher, auch in Hamburg, gebracht. Außerdem haben hunderte Containerschiffe nachhaltigerweise keine Ladung mehr, und außerdem fahren die Schiffe billiger von Rotterdam über Skagen nach St. Petersburg, weil die Hamburger Terminalgebühren und die Nord-Ostsee-Kanal Gebühren zu teuer sind (Rolf Zamponi u. Olaf Preuß in HA 5. 8. 09). - Trotzdem: Die alte Hamburg Regierung aus CDU + GAL wollte die Elbvertiefung und die neue SPD-Regierung  nach der Wahl vom 27. 2. 2011 ebenfalls.

 

Wir müssen alle wieder das Rechnen lernen (VO 5.4)

Das nicht nachhaltige Rechnen am Beispiel der Hamburger Elbvertiefung setzte sich dort auch in anderen Bereichen fort: Zusätzlich verdreifachte sich der Preis der im Bau befindlichen Elbphilharmonie, wurde eine neue U-Bahn zur Hälfte fast unterhalb einer vorhandenen Hochbahn gebaut. Dies fast alles parteiübergreifend gebilligt und nicht nachhaltig finanziert, bei sich wegen der Finanzkrise erheblich verringernden Steuereinnahmen.

So rechnete der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), damit, dass Deutschland für 2009 über 110 Mrd. neue Schulden aufnehmen muss, davon der Bund 90 Mrd. - verbleiben 30 Mrd. für die Länder. Auch der CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter forderte einen weiteren Nachtragshaushalt und rechnete mit ähnlichen Zahlen (dpa-AFX, t-online, 26. 4. 09 bv). 

Dies ist aber noch immer nicht alles: Zur gleichen Zeit veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung (24. 4. 09) wieder Horrorzahlen aus einer Bafin-Liste über Risikogelder, auch der Hamburg-Schleswig-Holsteinischen Landesbank, genannt HSH-Nordbank. Überhaupt waren die Landesbanken bei den Fehlplanungen der Banken immer zuerst dabei. Eine Staatswirtschaft oder eine Verstaatlichung der Banken bietet also keine Abhilfe, denn gerade Landesbanken sind ja Staatsbanken.

Doch sind dies alte Zahlen. Neue Zahlen sind nicht besser, sie sind leider meistens schlechter. beispielsweise die Verschuldung der öffentlichen Hand 2010. Siehe dazu www.finanzkrisendaten.de Nr. 2 . 

"Wir sind heute durchaus in der Lage, den von uns benötigten Strom selbst zu erzeugen", sagte von Gerkan. "Es ist keine Utopie, sich vorzustellen, dass eine Stadt eine Plus-Energie-Einrichtung sein kann, die so viel Energie über Sonne, Wind und Biomasse erzeugt, dass sie davon sogar etwas abgeben kann" , sagte von Gerkan auf der im Vorbericht genannten Tagung. Zur gleichen Zeit wurde wenige Kilometer vom Hamburger Tagungsort entfernt, in Hamburg-Moorburg, ein neues Kohlekraftwerk mit Kohlendioxydabgabe errichtet. 

Zusätzlich zu den von Gerkan vorgeschlagenen Maßnahnen zur Energie aus Sonne, Wind und Biomasse wären noch weitere Energien zu nennen. Denken wir nur an das gesamte bergab fließende Wasser in Deutschland. Nur ein Bruchteil davon läuft durch Turbinen, die es schon ab 5 kW gibt, für den kleinsten Bach geeignet. Die Wasserkraft ist, obwohl dies meistens anders gesehen wird, bei weitem nicht ausgenutzt. Probleme liegen hier vor allem in den verschiedenen Zuständigkeiten für Grundstücke, Gewässer und Energieversorger. Die Gefälleschleusen der großen Flüsse haben fast nie Turbinen. Und falls ja, wie in Geesthacht nahe Hamburg, wurden sie stillgelegt.

Der größte Teil der Bausubstanz wäre beim Gerkan-Beispiel zur Nachhaltigkeit zusätzlich einergiesparend zu bearbeiten. Leere ältere Bürobauten könnten dabei auch in Wohnungen umgebaut werden. Es ist also genug nachhaltige Arbeit vorhanden. Siehe auch www.wohneigentumssuche.de und www.haussanierungspraxis.de.

Noch 2 weitere Beispiele nicht nachhaltigen Rechnens: Eine Kleinstadt im Norden baut eine kleine Fußgängerbrücke für rund 1,6 Mio (für die auch 600 Ts. gelangt hätten) aus Kunststoff durch ferne Firmen,während für die Turnhallen- und Schulsanierung die 1 Mio. aus den Konjunktur-Steuerzahlerschulden bezahlt werden. Die Nachbarstadt lässt sich den Marktplatz für rund 1,4 Mio leicht umgestalten. Die Granitplatten kommen dazu aus China. Und die Schulsanierung kommt wieder aus dem Konjunktur-Schuldentopf des Bundes. Nur an Sparsamkeit dachte keiner.

Zur Eröffnung der Hannover Industriemesse 2009, am 19. 4. 09, lobte Bundespräsident Köhler das südkoreanische Konjunkturprogramm, das - anders als das deutsche - zu 80 % grün war und ist, d. h. ökologisch und vor allem in erneuerbare Energien investierend, einem Hauptprogramm der Messe. Die deutschen Unternehmen für alternative Energieherstellungsanlagen sahen denn auch am Ende der Messe einen Aufwärtstrend bei ihrer nachhaltigen Technik - nur kam dies noch überall an. Vor allem in Deutschland nicht, wenn dafür vielleicht auf die vielen geplanten Kohlekraftwerke verzichtet werden sollte.

Dies waren nur wenige Beispiele von reichlich nachhaltig vorhandener Arbeit einschließlich Geldeinsparungsmöglichkeiten. Dies muss nur gemacht werden - gemacht werden, um die Kinder nicht umkommen zu lassen. Es geht alles schneller als bislang gedacht. Schon werden nicht nur große Teile Australiens, Amerikas oder Ostasiens überschwemmt, sondern auch in England und Deutschland beginnt es schon. 

 

Wie kommen wir zur nachhaltigen Ökonomie? (VO 5.5)

Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph M. Schmidt, will als Nachfolger von Bert Rürup im Sachverständigenrat der Bundesregierung frischen Wind in die Gutachten bringen. Zusammen mit dem Co-Autor Nils aus dem Moore brachte er unter der Überschrift "Quo vadis, Ökonomik?" begründete Anregungen zur Ökonomie, die sich zukünftig an dem angelsächsischen Dreiklang "Mikroökonomik-Makroökonomik-Ökonometrie" orientieren sollte (FAZ 22. 5. 09).

Da die Wirtschaftskrise in den angelsächsischen Ländern USA und England ihren Ausgang nahm, beide Länder im Ranking herabgestuft wurden, scheint dies allerdings vor einer Wirtschaftskrise allein nicht zu schützen. Der vorhergehende Abschnitt  "Die nächste Krise?" zeigt außerdem, dass auch in den angelsächsischen Ländern die Krisenbewältigung nicht optimal ökonomisch gelöst wird. 

Trotzdem ist die Einheit des Dreiklanges Mikroökonomik - (mit der Haushalts-, Produktions- und Preistheorie) - Makroökonomie- (mit der Kreislauf-, Konjunktur- und Wachstumstheorie, Im- und Export einschl. dem Sozialprodukt) und der letzte Teil des Dreiklanges, die Ökonometrie insoweit von Bedeutung, weil die Ökonomie, wie am Schluss des Schmidt-Moore-Berichts aufgezeigt wird, flexibler gegenüber Veränderungen wird: Auf den drei Grunddisziplinen aufbauend, bieten die führenden Fakultäten vertiefend z. B. Arbeitsmarkt-, Industrie-, Umwelt-, Entwicklungsökonomik, Finanzwissenschaft etc. an.

Doch der wesentliche Inhalt beschäftigt sich zuvor mit falschen Kritiker-Schlussfolgerungen zur Ökonomielehre und Marktwirtschaft - und deren Schuld an der jetzigen Weltwirtschaftskrise: Die Autoren Michael Hüther, Karen Horn und Hans Willgerodt werden dazu als Beispiel genannt. Von Ihnen wird die Frage gestellt, ab bei der Wirtschaftswissenschaft nicht zu viel Mathematik und zu wenig das Denken in großen Zusammenhängen gelehrt wird? 

Nach Schmidt und dem Moore gibt es diesen Gegensatz überhaupt nicht. Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure lässt sich ohne mathematisches Vorgehen kaum zufriedenstellend analysieren. "Nur wer über die entsprechenden statistischenVerfahren verfügt, kann in der vielschichtigen ökonomischen Realität relevante Zusammenhänge erkennen oder die spezifischen Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen ermitteln."

Und weiter heißt es: "Völlig verfehlt ist auch das Gleichsetzen von Ökonometrie und Planwirtschaft, wie es Willgerodt unterstellt. Das Gegenteil ist richtig. Die moderne empirische Wirtschaftsforschung weigert sich zu Recht, der Gültigkeit 'kausal-theoretischer Überlegungen' blind zu vertrauen, sondern sucht nach empirischen Strategien, um Belege für Ursachen und ihre Wirkungen zu sammeln."

Dann bringt der Schmidt-Moore-Bericht eine äußerst wichtige Passage: "Es kann kaum hoch genug gewürdigt werden, dass der Aufbau der Bundesrepublik auf dem Fundament einer freiheitlichen, marktorientierten Wirtschaftsordnung erfolgte, trotz der damals offenbar sehr großen Skepsis der Bevölkerung und der geistigen Elite gegenüber einer Wirtschaft mit ungeregelten Preisen und von den einzelnen Akteuren dezentral geplanten wirtschaftlichen Aktivitäten. Die gewaltige Erfolgsgeschichte, die aus dieser Grundsatzentscheidung erwachsen ist, wird insbesondere im Kontrast zum wirtschaftlichen Versagen des Gegenentwurfs der DDR sichtbar, das zu deren Bankrott führte."

Bei der Suche nach den Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise, deren Wirkungen man jetzt sieht, ist man jetzt. Die vorherigen Abschnitte bringen vieles über die Ursachen und deren zum Teil falscher Bekämpfung. Den 10 Kriterien von One-Planet-Living steht leider eine große Menge unserer heutigen Lebensweise entgegen, die deshalb geändert werden muss. Eine nachhaltige Ökonomie ist lebenswichtig.

 

Der Klimawandel als kultureller Umbruch (VO 5.6)

Am 8. 6. 09 begann beim kulturwissenschaftlichen Institut in Essen die internationale Konferenz "The Great Transformation". Sie behandelte den Klimawandel als kulturellen Umbruch. Im Gespräch mit dem SPIEGEL (Nr. 24/09) sagte der Institutsdirektor Leggewie: "...Wir befinden uns nicht in der üblichen Wirtschaftskrise, sondern in einem tiefgreifenden Wandel unseres Zivilisationsmodells. - Der Ressourcenverbrauch muss mittelfristig schrumpfen. Wir brauchen neue Formen demokratischer Teilhabe und globale Kooperrationen.

Leggewiese erläuterte zuvor Grundlagen und die Notwendigkeit einer anderen Lebensweise wie folgt: "...Wenn wir, was mittlerweile unstrittig ist, Lebensweisen und Verhaltensmuster verändern wollen, damit unsere Kinder und Enkel noch gut leben können, dann müssen wir eine postcarbone Zivilisation erdenken, also eine, die ohne Kohle und Öl auskommt (und damit dadurch kein Kohlendixyd abgibt). Und das leisten nicht allein Ingenieure, sondern auch Kulturwissenschaftler.

Jeder weiß, dass die Benutzung von Bahn, Bussen oder Fahrrad sinnvoller wäre, als individuell Benzin zu verbrauchen. Aber unsere Denkweise bleibt auf den Fetisch Auto eingestellt. Solange wir uns das nicht klar machen, werden wir unser Verhalten nicht ändern."

Auf die Frage: "Wie schaffen wir das?" Die Antwort: "Vielleicht über den Faktor Coolness. Das Thema Klima muss aus der Öko-Nische heraus und seine unbestreitbare Systemrelevanz zeigen. Vermeintliche Verzichte werden dann als Gewinn an Lebensqualität sichtbar."

Doch davon sind wir zur Zeit noch weit entfernt, wie die Abwrackprämie und die "Opel-Rettung" zeigten. Dazu müssen wir erst geformt, gebildet werden. Auch der Begriff Bildung wird bislang meistens als Ausbildung und Studium zum Mehrverdienst angesehen, für das größere Auto.

Doch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) braucht nicht von derAutoherstellung abhängig zu sein. Es kann auch viele andere Werte, auch geistige, einschließen. Ein BIP-Umbau zu einer nachhaltigen Ökonomie ist gerade für die Umbauzeit schwer zu bewältigen. Die genannten Staatshilfen wurden leider für das Gegenteil ausgegeben. Der Wirtschaftsminister Dr. Freiherr zu Guttenberg weigerte sich, seine Unterschrift unter Steuerzahlerausgaben für gestern und nicht für morgen auszugeben. 

 

Ein BIP-Umbau zur nachhaltigen Ökonomie (VO 5.7) 

Das Bruttoinilandsprodukt (BIP) teilt sich auf in die Enstehung, die auf dem später gezeigten Diagramm mit dem BIP 2008 zu sehen ist. Dies ging im 4. Qartal 08 um 2,1 % zurück. Sodann in die Verwendung und die Verteilung.

Dazu zunächst 2 wichtige Kriterien: Der Bundeshaushaltsplan ist z. B. über www.bundesfinanzministerium.de/bundeshaushalt2008 abrufbar. Alle Einnahmen und Ausgaben sind aufgelistet. Die mit Abstand größten Ausgaben des Ministeriums für Arbeit und Soziales von 124 041 041 000 €, also 124 Mrd. zeigen schon ein Hauptproblem an: Den Sozialhaushalt. Die Einnahmen betragen dagegen nur 6 715 247 000, also nur 6 Mrd. Darum beschäftigt sich auch damit der nächste Abschnitt: Sozialer Untergang? -

Ein weiteres Problem liegt in dem großen Schuldenberg und dessen Ausgaben für Zinsen (2008 41,9 Mrd. mit zu erwartender Verdoppelung 2009), die einer Umstellung auf nachhaltige Arbeit kaum Fördermöglichkeiten lassen. Siehe dazu Nachhaltige Arbeit . Der Export im Maschinen- und Anlagenbau ist dabei wichtig, doch der ging beispielsweise im April 2009 um rund 50 % zurück.  Die Daten sind sämtlich vom statistischen Bundesamt www.destatis.de abrufbar. Anrufen und anfragen, falls nicht auffindbar.

Die größten Handelspartner Deutschlands waren 2008:

Ausfuhr in Mrd. € ( ):

Frankreich (97), USA (71), England (67), Niederlande (66), Italien  ( 64), Österreich (54), Belgien (52), Spanien (44), Polen ( 40), Schweiz  ( 39), VR China (34)

Einfuhr in Mrd. € ( ):

Niederlande (72), Frankreich (67), VR China (59), USA (46), Italien (46), England (44), Belgien (40), Russland (36), Österreich (33), Schweiz (31), Tschechei (28)

Man sieht einen fast ökologischen und ausgeglichenen Außenhandel. Und Europa ist die Hauptregion des deutschen Außenhandels.

Ausnahmen sind nur die USA und China. Von China war die Einfuhr (2008) um 25 Mrd. höher als die Ausfuhr dorthin. Von den USA war die Einfuhr um 25 Mrd. höher als die Ausfuhr dorthin. Ohne diesen Außenhandelsunterschied wäre der EURO-Raum möglicherweise gering von der Finanzkrise belastet worden. Eine nachhaltige Ökonomie und deren Verbreitung bedeutet nicht nur ökologisch auch eine sichere Ökonomie. Andernfalls verändert sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) (siehe www.finanzkrisen-lexikon.de ) nach unten.

Ohne Umstellung auf nachhaltige Ökonomie geht das zukünftig BIP laufend nach unten.

Beispiele dazu: Die Fischer fangen immer weniger, Überschwemmungen und Tornados kosten viel Geld, die Energie wird laufend teurer, die Sozialfälle werden mehr. Bei den Problemlösungen muss die Logik mit der richtigen Reihenfolge Ursache und Wirkung eingesetzt werden. Es gibt kein Perpetuum mobile, wie es Politiker und Parteien immer wieder behaupten. Ein Beispiel dazu: Die gerade ökologisch besonders Grünen werben (z. B. Europa-Wahl) mit dem Satz "5 Millionen neue Arbeitsplätze in Europa durch Investitionen in Bildung, Klimaschutz und Soziales". Dies bei einem allgemein guten Wahlprogramm.

Doch nie wird dabei der 1. Teil des BIP, die Entstehung, genannt, sondern immer nur die Verwendung und Verteilung. Eine nachhaltige Ökonomie erfordert die Umstellungs-Mitarbeit aller.

Die Politiker müssen zur Durchsetzung einer nachhaltigen Ökonomie vor allem alle zu ethischem Handeln zurückkehren. Beispielsweise werden "weltweit mit 90 Millionen Autos doppelt so viele gebaut wie verkauft werden," schrieben die Herren Germis, Hosp und von Petersdorff am 31. Mai 2009 in der FAZ. Es war der Tag der zuvor bis in die Nacht wegen einer möglichen Opel-Rettung bis 2 Uhr tagenden Politiker. Die meisten Fachleute, wie z. B. Prof. Sinn und der Wirtschaftsminister, lehnten die Bürgschaft von vorerst 1,5 Mrd. € für 6 Monate durch den deutschen Steuerzahler ab. Opel hätte rund eine Woche später, bei 300 Mio. Schulden pro Tag, Insolvenz anmelden müssen. So waren die rund 25.000 Arbeitsplätze bei 2.600 Entlassungen vorerst wegen der Wahlen und der Versprechungen zum 1. Mai gesichert. Auch bei einer Insolvenz wären sie noch 1/4 Jahr sicher gewesen. Wegen laufender Wahlen verhinderten die Politiker, außer dem Wirtschaftsminister zu Guttenberg, der gegen den Steuerzahlereinstieg war, eine nachhaltige Ökonomie und Steuerersparnis. Allerdings sollte auch einhe Automarke mit Geschichte, zusätzlich zu den Arbeitsplätzen, gehalten werden. Siehe hierzu auch www.ethische-ökonomie.de - Ethik und Machtgier.

Nachfolgend einige Möglichkeiten und Hinweise zur BIP-Umstellung.

 

Beispiele für die BIP-Entstehungs-Umstellung auf Nachhaltigkeit: 

Nr.

Wirtschaftsbereiche

BIP

2008

Febr.

2009

in %

Abbau, da nicht ökologisch

Aufbau ökologisch

1.

Land- u. Forstwirtschaft, Fischerei

19,57

 

 

 

1a

Landwirtschaft

 

 

Mutterbodenverbrauch

Ökolog. Landbau

1b

Forstwirtschaft

 

 

Abholzen- + -brennen

Aufforstung

1c

Fischerei

 

 

Überfischung

Reduziert + ohne Beifang, Fischzucht

2.

Waren produzierendes Gewerbe

579,96

 

 

 

2a

Energiewirtschaft

 

 

Kohle- + AKW

Sämtliche Wasser- Höhenunterschiede mit Turbinen best. - Sonne, Wind, Wärmepumpen etc.

2b

Atommüllentlagerung

 

 

Gorleben, Asse etc.

Behälter herst., die Mio.Jahre halten.

2c

Bergbau

 

 

Restkohle den Kindern hinterlassen

 

2d

Verarbeitendes Gewerbe

 

 

 

 

 

   Kraftfahrzeuge + Kfz-Teile

 

-39,6

Zu großer Verbrauch

Kleine Fahrzeuge

 

   Metallerzeugung + bearbeitung

 

-29,9

Zu großer Verbrauch 

Wiederverwertung

 

…Herst. von Metallerzeugnissen

 

-27,5

Zu großer Verbrauch 

Wiederverwertung

 

…Herst. v. chem. Erzeugnissen

 

-25,8

Oft schädlich

Ökol. Landbau, Naturheilkunde.

2e

Baugewerbe

93,82

 

Leere Altbürobauten,

unisolierte Altbauten

Umbau zu zentralen Wohnungen, Altbauten isolieren

3.

Handel, Gastgewerbe+ Verkehr

399,83

 

 

 

3aHandel  Ökol. schädlicher Handel Handel i.d.Region

3b

Gastgewerbe

 

 

Ökol.schädl.Entfernung.

Ausbau i. d. Region,

3c

Verkehr

 

-20%

Kraftstoffe, Biodiesel, Fernfahrten

Gas, Elektro ohne Kohle

3d

Nachrichtenübermittlung

 

 

Gefährdung durch Elektrosmog

MobilfunkSendetürme verringern 

4.

Finanzierung, Vermietung u. Unternehmensdienstleister

655,04

 

 

 

4a

Banken u Kreditinstute

 

 

UnmoralischeBeratung

Vertrauen gewinnen

4b

Vermieter

 

 

Hoher Energieverbrauch

Verringerung des Energieverbrauchs, KfWHilfe+Beratung

4c

Unternehmensdienstleister

 

 

Geringe Veränderung

 

5

Öffentliche u. private Dienstleister

486,90

 

 

 

5a

Öffentliche Dienstleister

 

 

Geringe Veränderung

 

5b

Private Dienstleister

 

 

Geringe Veränderung

 

Dies sind Vorschläge, die fast jeder kennt. Wir sollten nur anfangen, dabei ehrlich zu rechnen. denn die Finanzkrise basierte auf fehlender Vorschau, fehlender genauer Berechnungen und nicht Einplanung ökologischer Veränderungen. Nachfolgend sollen einige Details und Beweise zur zuvor gezeigten Tabelle mit dem Verhältnis der Wirtschaftsbereiche zur Nachhaltigkeit behandelt werden. 

 

Verminderte Nachfrage für teilweise nicht Nachhaltiges (VO 5.8) 

Wenn wir die Liste der BIP-Entstehung durchgehen, bemerken wir bereits massive Geschäftsrückgänge in Richtung Nachhaltigkeit. In einigen Wirtschaftsbereichen fehlen sie noch, werden aber kommen.  

Dazu im Einzelnen:

Bergbau: Der Untertage- und Übertagebergbau beschäftigt sich meistens mit dem Haupt-Kohlendioxyd-Emmittenten Kohle. Der Abbau sollte deshalb aus Umweltgründen und auch als wichtiger Rohstoff den Nachkommen hinterlassen werden. Nachhaltigkeit fehlt noch. Arbeitsplatzabbau ist nachhaltig.

Verarbeitendes Gewerbe: Hier werden, zusammen mit den fossilen Brennstoffen, die meisten Ressourcen verbraucht. Der Wirtschaftseinbruch von über 25 % ist deshalb nachhaltig. Im Februar 2009 betrug er z. B. bei Kraftfahrzeugen und Kfz-Teilen -39,6 % (destatis.de). Die Abwrackprämie stützte hier zwar etwas, mit dem Nachteil, dass in der folgenden Zeit die Reparaturwerkstätten weitaus weniger Arbeit haben. Beim Maschinenbau brachen die Aufträge zum 9. Mal in Folge ein. Die Bestellungen lagen im Vergleich zum Vorjahresmonat 46 % im Minus (rtr in HA 31. 7. 09). Der Rückgang ist nachhaltig, weil der Bedarf gesunken ist. Arbeitsplatzabbau ist nachhaltig

Verkehr: Nachhaltigen Rückgang verzeichnen wir bei Flugbuchungen, Fluss- und Seekreuzfahrten (bei letzteren z. T. Schiffsanmeldung in Steueroasen, gleichzeitig Verschmutzung der Meere. Siehe: www.ökologisch-handeln.de : Die Ökologiekrise). Leser Claus Bröcker schreibt dazu u. a. (in HA 27. 7. 09): „Zurzeit gibt es rund 600 Containerschiffe ohne Ladung. 70 % aller Neubauaufträge für Containerschiffe kommen aus Deutschland und werden immer noch subventioniert. Unglaublich. Zu viele Schiffe verderben für die nächsten Jahre die Raten/Preise. Keine Besserung in Sicht.“ Und Steffen Preißler berichtet (am 27. 7. 09 in HA) aus Hamburg: „Mehrere Schiffsfonds geraten jetzt in Not. Anleger müssen jetzt kräftig Geld nachschießen. Die bislang üblichen Renditen entfallen. – Einnahmen reichen oft nicht aus, um die Betriebskosten zu decken. Arbeitsplatzabbau ist nachhaltig 

 

Mehr Arbeit durch Nachhaltigkeit (VO 5.9)

Land- und Forstwirtschaft: Hier wird gegen zum Teil besonderes niedrige Auslandspreise ums Überleben gekämpft. Helfen können (wie überall) nur kostendeckende Preise und die Hinwendung (mit z. T. höheren Verbraucherpreisen und Wegfall der KfZ-Spritbesteuerung) zur ökologischen Landwirtschaft einschließlich Verminderung der Tiermast. Obst, Gemüse, Getreide und Mais aus der Region (statt z. B. Äpfel aus China) gehören zur Nachhaltigkeit. Ausreichende Nachhaltigkeit fehlt noch.

Anm: Höherer Verbrauch von Fleisch und fossilen Energieträgern (Kohle, Öl) bringt (nach Bericht des World Resources Institute (WRI) vermehrt Algenblüten und tote Zonen in Küstengewässern hervor. Ursache ist die Überdüngung mit Stickstoff- und Phosphor-Verbindungen, deren Abbau Sauerstoff benötigt.

Die Tiermast sei dem Bericht zufolge eine große Stickstoffquelle. 80 % des bei der Schweinemast eingesetzten Stickstoffs landet nach WRI-Schätzung letztlich in der Umwelt. Hinzu komme die Belastung aus den fossilen Energieträgern. „Fast 500 Küstengewässer leiden schon heute unter Sauerstoffmangel. Ihre Zahl wird steigen“, so das WRI (hi in HA 24. 7. 09).

Forstwirtschaft: Der Holzraubbau und die Holzverbrennung sind in vielen Ländern (vor allem Amazonasgebiet) Grundlage für den Anbau von Biotreibstoff und Weiden zur Rinderzucht mit großer Kohlendioxydabgabe (siehe auch www.ökologisches-handeln.de : Die Ökologiekrise + Energie-Alternativen?). Ausreichende Nachhaltigkeit fehlt noch.

Fischerei: Die immer größere Meeresverschmutzung, nicht nur durch die Land- und Forstwirtschaft, (siehe auch www.ökologisches-handeln.de: Die Ökologiekrise: C Das Meer). Die Fangergebnisse verringern sich. Ein Ergebnis ist die Umstellung auf Fischzucht, die allerdings meistens ohne die früheren Fischer erfolgt. Ausreichende Nachhaltigkeit fehlt noch.

Energiewirtschaft: Die sog. Energieproduktivität (=Verhältnis BIPzu Energieverbrauch) müsste von 1990 bis 2020 verdoppelt werden. Dafür müsste sich die Energieproduktivität von bisher 1,6 % auf 3 % fast verdoppeln. Dies soll durch effizienteren Umgang mit Energie erreicht werden (lt. Stat. Bundesamt 23. 4. 09 dpa/t-online.de). Nach McKinsy (16. 4. 09/mash in t-online) wird der Wettbewerbsfaktor Energie, und dabei die Energieeffizienz, eine immer größere Rolle spielen. Es geht also vor allem um Einsparung = Minus der Energiewirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit. Dies kann ein Plus in anderen Wirtschaftsbereichen bringen. McKinsey sah dort Wachstumsraten von jährlich 13 %. Dies ist wichtig, weil allein schon höhere Trockenheit die Stromproduktion bei Turbinen- und anderen Kraftwerken wegen fehlenden Wassers, auch zur Kühlung erheblich einschränken kann. Nachhaltigkeit fehlt noch.  + Arbeitsplätze

Ein Hauptproblem der AKW muss dringend gelöst werden: Um eine nachhaltige Atommüllendlagerung kümmerte sich bislang kaum jemand. Das Problem wurde beispielsweise dem Bergbau zugeschoben, um es aus oberirdischen Planungsgenehmigungen (z. B. F-Plan) und einer Aufsicht durch das Bundesamt für Strahlenschutz herauszuhalten. Die Endlagerung ist möglich und würde viele Arbeitsplätze bringen, die durch die gut verdienende Energiewirtschaft zu zahlen wären. Nachhaltigkeit fehlt noch.+Arbeitsplätze

Bauwirtschaft: Über die Hälfte des deutschen Wohnungs-, Haus- und Bürobestandes bedürfen der Erneuerung im Energieabgangsbereich und weiterer Erneuerung. Jedoch ist fehlt zur Erneuerung teilweise im Wohnungsbau die Rendite. Wenn z. B. in Großstädten rund 1 Mio. Quadratmeter leer stehen und Wohnungen fehlen, dann sollten dort Wohnungen eingerichtet werden. + Arbeitsplätze zur Schaffung von Nachhaltigkeit

Handel, Gastgewerbe und Verkehr: Ob Hertie, Karstadt, Woolworth - das Minus von Kaufhäusern und beim Güterverkehr ist Teilweise auch das Plus durch Veränderungen: „Einkaufsrausch im Internet“ lautet z. B. die Meldung vom 29. 7. 09 (AP in HA). Mit 21,8 Mrd. € wird so viel Geld wie nie zuvor für den Online-Kauf von Bekleidung, Büchern, Flugtickets oder Musikdaten ausgegeben. Und weiter: Der Onlinehandel macht im Versandhandel erstmals mehr als 50 % aus. Der gesamte Versandhandel legt auf 29.1 Mrd. € zu. Für die Bestellungen ist aber der gedruckte Katalog nach wie vor wichtig. Das Gastgewerbe hat es z. T. etwas schwieriger, weil mehr gespart wird, es fahren aber auch weniger Gäste ins Ausland, sondern buchen in Deutschland. In Spanien ist dafür nach der Baublase die Touristenblase geplatzt – mit ca. 40 % Rückgang.

Finanzierung und Vermietung: Die Banken legen ihr Geld, auch wegen Basel II und der Krise, lieber nicht bei Krediten an, sondern haben gelernt, wo Rendite ihrer Ansicht nach sicherer zu holen ist (siehe auch: Die nächste Blase schwillt schon an). Der kleine und mittlere Unternehmer sollte evtl. auch www.kfw-mittelstandsbank.de anwählen. Vermieter sollten ab Oktober 2009 gemäß EnEV 2009 bei älteren Bauten bei Wohnungswechsel sanieren (siehe auch www.wohngesund-sanieren.de ). Das Problem liegt hier in ausreichenden Mieten bei steigenden öffentlichen Abgaben. Dadurch verkleinert sich das Angebot auch aus Rentabilitätsgründen. Nachhaltigkeit geplant.   

Dienstleistungen: Über 20 % des Einkommens (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) der Beschäftigten, Rentner, Pensionäre etc., etc. werden für das Gesundheitswesen ausgegeben. Zu allen Zeiten war die sogenannte Völlerei oder das ungesunde Essen Hauptkrankheitsursache, so auch bei den angeblich armen Deutschen (siehe www.heilende-naturheilkunde.de ). Hinzu kommen immer wieder ungedeckte Ausgabenprogramme des zuständigen Ministeriums, wie die Gesundheitskarte oder Kopfpauschale09 Nachhaltigkeit fehlt noch.

 

Investitionen, die wir statt Keynes brauchen (VO 5.10)

"Keynes bleibt tot" überschieb Professor Julian Rümeling seine "Außenansicht" am 25./26. 4. 09 in der Süddeutschen Zeitung. Er lehrt Philosophie und Politische Theorie an der Uni München und war im 1. Kabinett Schröder Kulturstaatsminister.

In seinem Artikel begründete er, warum es falsch sei, nun die Steuern zu senken - oder einfach die Methoden des britischen Ökonomen Keynes wiederzubeleben (die allerdings meistens falsch verstanden werden - siehe unter "Die nächste Krise" Der Geldfluss in einer Richtung führte zur Finanzkrise).

Wörtlich schrieb er beispielsweise: So "sollten die hohe Staatsverschuldung fast aller westlichen Industrieländer, die ernüchternden Erfahrungen mit keynesianischen Strategien nach der ersten und zweiten Ölkrise in den 1970er Jahren die Politik davon abhalten, in einer massiven Ausweitung der staatlichen Ausgaben den Schlüssel der Krisenbewältigung zu sehen. (Anm.: Vom damalien Kanzler Schmidt ist nach vorheriger Arbeitslosigkeit von nur ca. 3,5 % Arbeitslosigkeit der Spruch überliefert: Lieber 5 % Inflation als 5 % Arbeitslose. Nach seiner Staatsausgaben Keynes-Strategie, die damals an den Unis gelehrt wurde, hatte er beides (Ki)). 

...Was wir brauchen, sind vorgezogene öffentliche Investitionen in alles, was für die Zukunft Entlastungen und Vorteile bringt, also in Forschung, Bildung, Umwelt und Infrastruktur. Nachdem sich die Weltwirtschaftskrise entgegen den Erwartungen vertieft, ist mit einer längeren Rezession zu rechnen. Zu befürchten ist jedoch, dass der Staat darin falsch reagiert. dass er den privaten Konsum stärken will, indem er eine höhere Staatsverschuldung zulässt.

Lange hat die Dominanz des sogenannten Neo-Liberalismus gedauert. Dabei ist dieser Begriff schon deswegen problematisch, weil er den Liberalismus verunglimpft, auf dessen Normen der Gleichheit und freiheit, der Autonomie und Selbstverantwortung die moderne Demokratie beruht. Während dieser Dominanz ist offenbar aus dem Blick geraten, dass es nicht nur ein systematisches Staats-, sondern auch ein systematisches Marktversagen gibt.

Der Markt ist in dreierlei Hinsicht kein geeignetes Steuerungselement:

  1. Ist er zukunftsblind, da die Interessen künftiger Generationen heute noch keine Wirkung auf die Nachfrage haben. Das Prinzip der Nachhaltigkeit muss dem Markt also durch die Setzung einer politischen Rahmenordnung abgerungen werden.
  2. Ist der Markt verteilungsblind. Eine gesellschaftliche Ordnung, die nicht in der lage ist, ene gerechte verteilung sicherzustellen, wird auf dauer den sozialen Frieden nicht sichern können. Dies macht den kern der Debatte um Mindeslöhne und Kündigungsschutz aus.
  3. Ist der Markt nicht imstande, kollektive Güter bereitzustellen. Die Lebensqualität hängt jedoch in hohem Maße davon ab, dass es zum Beispiel Schulen gibt, die für alle Kinder zugänglich sind, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern; dass es straßen und Wasserversorgung, Museen und Philharmonien und Theater gibt, die für alle erschwinglich sind und nicht von Vorlieben und Möglichkeiten vermögender Privatpersonen abhängen.

Deutschland war seit einigen Jahren auf dem richtigen Weg, eine neue Balance zwischen staatlicher Verantwortung und marktwirtschaftlicher Effizienz herzustellen. Wir müssen aufpassen, dass diese Balance nun nicht dauerhaft gestört wird, nur weil sich der Finanzsektor von der Realwirtschaft in einem mehr als zwei Jahrzehnte währenden Prozess in unverantwortlicher Weise abgekoppelt hat.

Der Staat ist vor allem Ordnungsstifter. Er setzt die Regeln, nach denen das ökonomische System effizient, nachhaltig und gerecht wirken kann. Er ist zweitens Produzent kollektiver Güter. Zu diesem Zweck erhebt er Steuern, mit denen er diese Güter finanziert. Diese beiden Staatsfunktionen bilden in einer wohlverstandenen sozialen Marktwirtschaft seinen Kern. Der wohlgeordnete Staat ist jedoch nicht Unternehmer. Dort wo er als Unternehmer agiert, verzerrt er die Konkurrenzsituation und gerät in Konflikt mit seiner eigenen Rolle als Ordnungsstifter...."

Er endet mit: "Der Satz aus dem Godesberger Programm der SPD von 1959 bleibt gültig: Wir brauchen so viel Markt wie möglich, und so viel Staat wie nötig."

Hinzuzusetzen wäre allerdings immer wieder, dass Keynes nicht meinte, dass die Politiker aus wahltaktischen Gründen immer Geld ausgeben sollten. Sie sollten das Geld zur Konsumankurbelung auch zuvor und hinterher gespart haben. Im Normalfall ausgeglichene Haushalte waren ihm wichtig (siehe hierzu auch "Die nächste Krise": Der Geldfluss in einer Richtung führte zur Finanzkrise).

 

Eine nachhaltige Ökonomie ist schwer umzusetzen (VO 5.11)

Utz Schäffer, Direktor des Instituts für Management und Controlling (IMC) der WHU, der Otto Beisheim School of Mnagement, schrieb (FAZ 31. 10. 2011) und später im Controller Management von 3 Herausforderungen zur schwierigen Umsetzung einer nachhaltigen Ökonomie. Soziale und ökologische Aspekte werden in der Praxis durch Unternehmen nur dann in Handlung umgesetzt, wenn sie einen ökonomischen Mehrwert ergeben oder versprechen. Schäffer nennt:

3 Herausforderungen an die Umsetzung einer nachhaltigen Ökonomie in Unternehmen:

  1. Messung und Bewertung.
  2. Integration in die Steuerung.
  3. Langfristigkeit

Und als Ergebnis daraus: "Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen."

Vorweg hieß es zu dem umfangreichen Bericht. "Nachhaltigkeit dringt in alle Wirtschaftsbereiche ein.

Vor wenigen Tagen (vom 31. 10. 11) wurde der Deutsche Nachhaltigkeitskodex für Unternehmen verabschiedet. Die Logik ist einfach: Nichts zu Lasten nachfolgender Generationen tun. - Aber Nachhaltigkeit lässt sich in der Praxis nur schwer messen, bewerten und in das unternehmerische Zielsystem integrieren."

Nachhaltigkeit ist bei staatlichen Handlungen nur im Bereich des Sozialen und Ökologischen zu finden. Nichts zu Lasten nachfolgender Generationen tun. Dies ist bei der Ökonomie, zumindest bei der Schuldenaufnahme, ins Gegenteil verkehrt worden. Alle Schulden zu Lasten kommender Generationen. Wenn es beispielweise heißt: Die Schuldenaufnahme bis 2020 auf Null führen. Siehe dazu auch unter: "Die nächste Krise".

Notwendig ist das sicher in Deutschland - und analog bei den anderen EU-Ländern auch nicht. So errechnete das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) für die Zeitschrift FOCUS (erschienen am 14. November 2011) für Deutschland

Einsparungsmöglichkeiten bei Subventionen von 154,6 Milliarden EURO:

  1. 52,2 Mrd. € Steuervergünstigungen.
  2. 0,3 Mrd. € Zinssubventionen für KfW-Kredite.
  3. 6,6 Mrd. € Bundesagentur für Arbeit.
  4. 5,6 Mrd. € landwirtschaftliche Marktforschungsausgaben der EU.
  5. 2,2 Mrd. € Sondervermögen "Kinderbetreuungsausbau".
  6. 60,4 Mrd. € direkte Finanzhilfen der Länder und Gemeinden. Daten für 2010 
  7.                  2011 geschätzt incl.indirekter Finanzhilfen d. Bundes+Europäischen Sozialfonds.
  8. 38,3 Mrd. € direkte Finanzhilfen d. Bundes incl. Finanzh. des europ. Sozialfonds ESF.
    154,6 Mrd. € also zusammen. - Schulden zu Lasten kommender Generationen, die diesen gespart werden könnten und müssten.

 

Es folgt: Arbeit für alle?

Durch "nachhaltiges-Handeln" zur "nachhaltigen Ökonomie"